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14. August 2013

Debatte um Wachstum, Wohlstand, Nachhaltigkeit

Marianne Birkholz, Wikimedia Commons
Es ist unübersehbar: Die Debatte hat sich ihrem Kern genähert, der auch an dieser Stelle immer wieder thematisiert wurde, nämlich dem Verhältnis von Wachstum, Wohlstand und Nachhaltigkeit. Lassen sich diese Ziele miteinander vereinbaren oder widersprechen sie sich? Kann Nachhaltigkeit nur erreicht werden, wenn auf Wachstum und Wohlstand verzichtet wird oder ist "green growth" möglich?

Wie umstritten diese Fragen sind, haben die Beratungen der Enquete-Kommission des Bundestags "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" gezeigt, die es nicht geschafft hat, zur Rolle des Wachstums einen gemeinsamen Bericht vorzulegen. Die Website der Kommission stellt trotzdem für alle an der Debatte Interessierten eine wahre Fundgrube dar. Ob sich das von der Kommission vorgeschlagene neue Konzept für Wohlstandsmessung ("W3-Wohlstandsindikatoren") durchsetzen und das BIP ersetzen kann, bleibt abzuwarten.

Die Kernfragen der Debatte liegen an der Schnittstelle verschiedener Disziplinen, weswegen es nicht überraschen kann, dass sich agora42 als "philosophisches Wirtschaftsmagazin" der Thematik annimmt. Die aktuelle Ausgabe 02/2013 widmet sich dem Thema "Wohlstand", frühere Ausgaben sind ebenfalls einschlägig (01/2012: Nachhaltigkeit, 04/2011: Fortschritt, 01/2010: Wachstum).

Auch die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) deren Angebot an dieser Stelle wiederholt empfohlen wurde, legt regelmäßig einschlägige Titel auf, zuletzt den von Harald Welzer und Stephan Rammler herausgegebenen Band "Der FUTURZWEI-Zukunftsalmanach 2013. Geschichten vom guten Umgang mit der Welt":
"Wachstum lautet vielfach das Mantra unserer Lebensweise – oft ohne Rücksicht auf Zukunftsfähigkeit. Rufe nach einer Kurskorrektur werden als unrealistisch oder schädlich abgetan. Das Buch zeigt, dass es im Sinne einer lebenswerten Zukunft aber tatsächlich anders geht, auch innerhalb bestehender Strukturen" (bpb-Website - hier kann das Buch für 4,50 EUR bestellt werden).
Weitere Bücher aus dem Angebot der BpB sind unter anderem:
Interessante Debattenbeiträge erscheinen auch regelmäßig im WiWo Green-Blog, zuletzt beispielsweise:
Auch die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Internationale Politik" nimmt sich aus der politikwissenschaftlichen Perspektive des Themas an. Das Schwerpunktthema der Ausgabe Juli/August 2013 lautet "Wachsen, aber wie?".

Abschließend sei noch auf zwei lesenswerte Neuerscheinungen hingewiesen:

  

11. Dezember 2012

Nachhaltigkeitspreis für Unilever

Unilever hat den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2012 in der Kategorie "Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategie (Konzern)" gewonnen, der von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. verliehen wird. Bei dem Preis steht im Mittelpunkt, dass die Unternehmen wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung und Umweltschutz in Einklang bringen. Insgesamt hatten sich 680 Unternehmen in 6 Kategorien um den Preis beworben. In einer Pressemitteilung des Konzerns wird der Vorstandsvorsitzende Paul Polman mit den Worten zitiert:
"Ich freue mich sehr, dass die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis Unilever ausgezeichnet hat. Unser Nachhaltigkeitsprogramm, der Unilever Sustainable Living Plan, ist das Herzstück unseres neuen Geschäftsmodells für nachhaltiges Wachstum. Mit dem Programm wollen wir unsere Mitarbeiter genauso wie auch Menschen außerhalb unseres Unternehmens für Nachhaltigkeit begeistern."
Vor wenigen Tagen hat das österreichische Portal format ein lesenswertes Interview mit Paul Polman veröffentlicht ("Nachhaltigkeit als Erfolgsstrategie"), das Hintergrundinformationen zum Sustainable Living Plan des Konzerns enthält:
Paul Polman: "Profitables Wachstum und Nachhaltigkeit sind absolut kein Widerspruch. Nachhaltigkeit bezieht sich aus meiner Warte nicht nur auf den Umgang mit Ressourcen, sondern auch auf Geschäftsmodelle. Wir streben ein solches nachhaltiges Geschäftsmodell an. Ein Businessmodell, das die Effekte des Klimawandels als externe Kosten betrachtet und sie nicht miteinbezieht, wird auf Dauer nicht haltbar sein."
Die Nominierung von Unilever hatte Kritik hervorgerufen, woraufhin die Jury eine Prüfung durchgeführt und eine Stellungnahme verfasst hat. Dieser Vorgang wird auf der Website des Preises dokumentiert.

5. Dezember 2012

"Green growth" statt nachhaltige Entwicklung

Ein lesenswerter Beitrag von Michael Jacobs im Blog der LSE (London School of Economics and Political Science) greift das an dieser Stelle immer wieder behandelte Thema, den Übergang von Nachhaltigkeit bzw. nachhaltiger Entwicklung zu green economy bzw. green growth auf und benennt die Gründe für diese Akzentverschiebung seit der Finanzkrise von 2008.
Over the past four years the concept of ‘green growth’ has burst onto the international policy scene. A term rarely heard before 2008, it now occupies a prominent position in the international policy discourse. The last two G20 Summits declared their support for this goal. The World Bank, the OECD and the UN Environment Programme are all now committed to it. A new body, the Global Green Growth Institute has been created to advise governments on its implementation. A whole panoply of green growth networks, forums and ‘knowledge platforms’ has sprung up.
Was sind die Gründe für diese Entwicklung? Hatte das Konzept "nachhaltige Entwicklung" nicht die gleichen Ziele?
The answer is that the concept of sustainable development has had decreasing traction over recent years. Following the 2008 financial crash, governments have been focused almost entirely on boosting economic growth; in this context, any policy which did not contribute to that goal was downgraded in influence. The discourse of climate change policy looked particularly unattractive: it referred to the global ‘burden’ of emissions reductions and seemed to present policymakers with a lot of present economic costs and only distant future benefit.
Den ganzen Beitrag "Far from being a drag on growth, environmental policy can actually help drive it" können Sie hier lesen...

2. Dezember 2012

Ist "grünes Wachstum" möglich?

Bereits mehrfach haben wir an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, dass sich der Fokus der Debatte um Nachhaltigkeit immer weiter weg vom Umweltschutz und hin zu "green economy" und "grüner Technologie" verschoben hat. Galt es vor einigen Jahren noch als sicher, dass ohne Verzicht und Umdenken keine Fortschritte hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu erzielen sein werden, gerät dieser Aspekt zusehends in den Hintergrund.

In diesem Zusammenhang ist ein aktueller Beitrag auf EurActiv.com lesenswert, der unter der Leitfrage "Is green growth possible?" mehrere Berichte zum Thema anführt, unter anderem eine neue Studie der Heinrich Böll Stiftung mit dem Titel "Green Growth Unravelled", die den häufig vernachlässigten Aspekt der Rebound-Effekte thematisiert. Eine deutsche Version der Studie findet man auf der Website des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie.