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22. April 2018

Bücher zum Thema Nachhaltigkeit bei der bpb

In der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) sind in den letzten Wochen mehrere thematisch einschlägige Bücher erschienen:

Annemieke Hendriks (2018), Tomaten. Recherchen auf dem globalisierten Nahrungsmittelmarkt (für 4,50 € bestellen) - Kurzbeschreibung auf der bpb-Website:
Tomaten sind beliebt, aber unverarbeitet nicht lange haltbar. Hierzulande wird zumeist niederländische Ware angeboten. Auch in Osteuropa dominieren Tomaten niederländischer Produktion – obgleich das warme Klima in vielen Gegenden Rumäniens, Bulgariens, Ungarns oder Polens eine regionale Produktion zulässt. Große Teile der spanischen Tomatenernte wiederum werden in den Niederlanden oder anderswo mehrfach umgepackt und teilweise wieder spanischen Verbrauchern angeboten. Die Ware Tomate, so das Fazit der niederländischen Journalistin Annemieke Hendriks nach ihrer Recherche in ganz Europa, spiegelt beispielhaft einen grotesk anmutenden, globalisierten Lebensmittelmarkt, der hinsichtlich der Produktion und der Vertriebslogistik vielfach die Gewinnmaximierung ökologischen, gesundheitlichen und ethischen Kriterien überordnet. Hendriks hinterfragt zudem die Monopolstrukturen in der Saatgutproduktion, aber auch die Mentalität der Verbraucher, die sich häufig von Schlagworten wie Nachhaltigkeit oder Regionalität blenden ließen.
Michael Kopatz (2018), Ökoroutine. Damit wir tun, was wir für richtig halten (für 4,50 € bestellen) - Kurzbeschreibung auf der bpb-Website:
Niemand muss das Rad neu erfinden, um ressourcenschonender zu leben: Unser Alltag bietet zahlreiche Gelegenheiten, und viele Menschen sind auch dazu bereit. Jedoch sei auch im großen Maßstab, so Michael Kopatz, Nachhaltigkeit mit Blick auf Generationengerechtigkeit und den immer noch wachsenden Ressourcenverbrauch nicht nur möglich, sondern zwingend geboten. Um bei Konsum und Wohnen, bei Arbeit, Produktion und Verkehr, im Agrarsektor, in der Energieversorgung und der Abfallwirtschaft im Sinne einer ökologisch vertretbaren Praxis umzusteuern, bedürfe es einer Vielzahl auch gesetzlicher Anreize. Eine in diesem Sinne engagierte Politik könne dazu beitragen, den vielfach vorhandenen guten Willen in die Tat umzusetzen, damit nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsformen zur Selbstverständlichkeit werden. Kopatz kommt ohne moralische oder pädagogische Zeigefinger aus und misst seine Vorschläge an der Realität. Entscheidend sei, dass es gelinge, die Bürgerinnen und Bürger auf dem Weg in eine "Ökoroutine".
Susanne Dohrn (2018), Das Ende der Natur. Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür (für 4,50 € bestellen) - Kurzbeschreibung auf der bpb-Website:
Raubbau in Deutschland? Was wir anderswo in der Welt anprangern, geschieht auch vor unserer Haustür: Aus Profitstreben oder Rationalisierungsdruck haben sich hierzulande landwirtschaftliche Strukturen etabliert, die Boden, Luft und Wasser schädigen. Monokulturen und Pestizideinsatz führen, weithin ignoriert, zum dramatischen Rückgang der Artenvielfalt, insbesondere bei Insekten und Vögeln, und verwandeln Landschaften in Agrarwüsten. Vielfach fehlt es an Wissen um solche schwerwiegenden Auswirkungen agrarindustrieller Nutzung, zuweilen auch am guten Willen, anders und umweltgerechter zu wirtschaften. Susanne Dohrn verbindet die ökologische Lupe mit dem Blick auf bundesweite Strukturen: Sie erläutert die Folgen der Landschaftsverarmung und Überdüngung, des Herbizid- und Pestizideinsatzes, spricht mit Produzenten, Lobbyisten, Aktivisten und Forschenden in Landwirtschaft und Umweltschutz. Ihr Buch setzt sich für ein Umdenken in der Agrarpolitik ein, das, so die Autorin, nicht nur geboten, sondern im Interesse von Mensch und Umwelt unabdingbar sei.

20. April 2017

"Wohlstand ohne Wachstum" in einer erweiterten Neuauflage

Tim Jacksons 2009 im englischen Original erschienenes Buch "Wohlstand ohne Wachstum" hat sich schnell zu DEM Standardwerk der Wachstumskritik entwickelt. Soeben ist die erweiterte Neuauflage auch auf deutsch erschienen. Die Heinrich Böll Stiftung als Herausgeber zitiert in diesem Zusammenhang auf Twitter den Namenspatron der Stiftung, der 1985 in "Es stirbt täglich Freiheit weg" geschrieben hat:
"Wir leben in einer Verschwendungsgesellschaft, (...) die Verschwendung als Wachstum ausgibt." (Heinrich Böll)
Der oekom Verlag beschreibt das Buch auf der Verlagswebsite folgendermaßen:
Als Tim Jacksons Buch »Wohlstand ohne Wachstum« vor sieben Jahren erstmals erschien, entwickelte es sich schnell zum Standardwerk. Die brisante Diagnose des renommierten britischen Ökonomen lautete damals: »Unsere gesamte Wirtschaftsordnung baut auf ewigem Wachstum auf – aber nun brauchen wir einen anderen Motor« – und daran hat sich auch heute nichts geändert. In Zeiten zunehmender Ungleichheit und Umweltzerstörung ist die Notwendigkeit, umzusteuern, dringlicher denn je, und so kommt die komplett überarbeitete Neuauflage der »Bibel der Wachstumskritik« gerade zur rechten Zeit. Das Buch bietet eine fundierte Analyse der Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrisen und des ungebrochenen Strebens nach Wachstum, legt den Fokus auf die ganze Welt und schildert die Chancen und Herausforderungen einer Postwachstumsgesellschaft, welche die ökologischen Grenzen unseres Planeten nicht überschreitet und trotzdem in Wohlstand lebt.

26. November 2016

Reader zur Postwachstumsgesellschaft

Unter dem Titel "Mehr geht nicht!" hat die Zeitschrift "Blätter für deutsche und internationale Politik" einen Postwachstums-Reader herausgegeben:
"Obwohl der globale Klimawandel immer bedrohlichere Ausmaße annimmt, was immer mehr Menschen zum Verlassen ihrer Heimat zwingen wird, scheinen wir unfähig, diesem Menschheitsproblem wirksam zu begegnen. (...) Doch eine wachsende Bewegung will sich mit diesem Fatalismus nicht abfinden. Die Befürworter der Décroissance, des Postwachstums, hinterfragen das westliche Wachstumsmodell radikal – in Theorie und Praxis.Was heißt heute Wohlstand und wie wäre ein Ausstieg aus der Wachstumslogik möglich? Die „Blätter für deutsche und internationale Politik“ haben sich dieser Fragestellung von Beginn an gewidmet. Dieser Reader versammelt die zentralen Aufsätze der vergangenen Jahre."
Die Beiträge im Reader behandeln so gut wie alle Ansätze, die in der Diskussion sind (von Urban Gardening bis zur Sharing Economy, von Genossenschaften bis zur Green Economy), und sind in fünf Teile untergliedert:
  • Wir konsumieren uns zu Tode
  • Der Krieg gegen die Erde
  • Grünes Wachstum, des Rätsels Lösung?
  • Raus aus der Wachstumsmühle
  • Her mit dem guten Leben

6. November 2016

Erhard Eppler und Niko Paech im Gespräch

Vor wenigen Tagen ist im oekom Verlag das Buch "Was Sie da vorhaben, wäre ja eine Revolution..." erschienen. Es handelt sich um ein von Christiane Grefe moderiertes Streitgespräch zwischen Erhard Eppler und Niko Paech. Der Verlag beschreibt das Buch in seiner Broschüre denk.stoff folgendermaßen:
"Es muss anders werden, damit es besser wird – aber wie wird es anders? Erhard Eppler und Niko Paech kämpfen seit Jahrzehnten für eine ökologische Wende und sind zentrale Vordenker ihrer jeweiligen Generation. Gerade deshalb streiten sie vortrefflich und leidenschaftlich über den richtigen Weg: Was kann die globalen Krisen noch stoppen? Ist »grünes Wachstum« Fluch oder Segen? Wie gelingt, wie weit reicht die Energiewende? Sind genügsamere Lebensstile in unserer Konsumgesellschaft mehr als eine Utopie? Und wer steht in der Pflicht: die Bürger oder die Politik?"
Zu den beiden Gesprächspartnern schreibt der Verlag:
"Als Politiker und Publizist war Erhard Eppler, der im Dezember 90 Jahre alt wird, einer der ersten, der auf die ökologische Krise und die Notwendigkeit zum Umdenken hingewiesen hat. Sein Buch »Ende oder Wende« (1975) trug wesentlich zur Entstehung und Entwicklung der Umweltbewegung in Deutschland bei. Beeinflusst hat er damals auch Niko Paech, der heute einer der profiliertesten Wachstumskritiker ist und mit seinem Buch »Befreiung vom Überfluss« zum führenden Vordenker der Postwachstumsgesellschaft wurde."
Einen Auszug aus dem Buch kann man bei Zeit Online lesen: "Verzichten oder grün wachsen".

2. September 2016

"Intelligent wachsen" und "Global Gardening"

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat Nachhaltigkeit zu einem thematischen Schwerpunkt ihrer Schriftenreihe gemacht. Davon zeugen zahlreiche Veröffentlichungen, die in diesem Blog vorgestellt wurden (zuletzt "Cheaponomics"). Nun sind nochmals zwei thematisch einschlägige Bücher ins Programm aufgenommen worden:

Ralf Fücks: Intelligent wachsen. Die grüne Revolution (Bestellung für 4,50 €) - Beschreibung auf der bpb-Website:
Geht es weiter wie bisher? Oder zwingen die globalen Herausforderungen nicht eigentlich längst zum Umdenken? Welche Konzepte, welche Ideen weisen in eine Zukunft, in der Innovation, Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit keine Gegensätze mehr sind? Und: Sind sie Utopie oder doch, im Interesse der Menschheit, umsetzbar?
Die Ressourcen der Erde sind endlich. Nur ein Teil der Menschheit profitiert von ihnen und ihre Nutzung kommt vielfach Raubbau gleich. Wie lassen sich die Prosperitätserwartungen, nicht nur in den reichen Staaten, mit den globalen Herausforderungen in ökologischer, ökonomischer, aber auch sozialer Hinsicht in Einklang bringen? Ralf Fücks sieht die Zukunft der Menschheit in einer Ökonomie, die ihre Grundlagen – Boden, Wasser, Luft und Lebewesen – ebenso nachhaltig wie innovativ nutzt. Dies setze, so Fücks, ein Umdenken voraus: Nicht Ausbeutung, kurzfristiger Nutzen und Gewinnmaximierung, sondern langfristig tragbare, effiziente und gerechte Lösungen seien geboten. Nicht nur Produzenten und Konsumenten, zumal hierzulande, sieht Fücks in der Pflicht zum Umdenken. Auch die nationale und internationale Politik müsse den Wandel moderieren, gestalten und verteidigen. Nur dann sei weltweit gerechter, ressourcenkonformer Wohlstand möglich.
Christiane Grefe: Global Gardening. Bioökonomie - Neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft? (Bestellung für 4,50 €) - Beschreibung auf der bpb-Website:
Bioökonomie? Klingt gut, aber wie ist das Verhältnis zwischen Bio und Ökonomie dabei? Bedeutet der Begriff Wirtschaften im Einklang mit den Ressourcen der Erde? Oder tarnt sich hier weiterer Raubbau in neuem Gewand? Christiane Grefe geht diesen Fragen auf den Grund.
Welches Potenzial hat Bioökonomie? Der Begriff weckt Assoziationen intelligenten Wirtschaftens im Einklang mit den Ressourcen der Erde. Zugleich schwingt in ihm die immer raffiniertere, nahezu vollständig profitorientierte Beherrschung von Pflanzen und Tieren, Böden und Gewässern bis in den letzten Winkel der Erde mit. Wer hat welche Interessen und Ziele im Sinn, wenn von Bioökonomie die Rede ist? Welche Werte, Zustände oder Errungenschaften gilt es im Blick zu halten? Welche der so unterschiedlichen wie gegensätzlichen Konzepte der Bioökonomie zielen auf Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit? Welche können den globalen sozialen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen gerecht werden? Welche wären lediglich Raubbau im neuen Gewand? Wer wäre Nutznießer, wer Verlierer? Christiane Grefe lässt viele Akteure auf dem weiten Feld der Bioökonomie zu Wort kommen. Sie nähert sich differenziert und abwägend dem überaus komplexen Geflecht aus Anforderungen, Interessen, Möglichkeiten und Risiken des zukünftigen Wirtschaftens auf der Erde.

10. August 2016

Lektüreempfehlung: Cheaponomics

"Billig" ist ein ambivalentes Wort: Es kann bedeuten, dass etwas einen niedrigen Preis hat, es kann aber auch heißen (und diese Bedeutung schwingt immer mit), dass etwas von schlechter Qualität oder unlauter ist ("billiger Trick"). Diese Doppelbedeutung hat sich der amerikanische Soziologe Michael Carolan für den Titel seines Buches "Cheaponomics. Warum billig zu teuer ist" zunutze gemacht (Original 2014, deutsche Übersetzung im oekom verlag 2015, Lizenzausgabe für die bpb 2016).

Cheaponomics ist der ambitionierte Versuch einer ganzheitlichen Sicht auf unser Wirtschaftssystem, auf Konsumwahn, Kostensozialisierung und Wegwerfmentalität. Auf der Website der bpb wird das Buch folgendermaßen beschrieben:
"Dumping-Preise auf Elektronikartikel, billige Lebensmittel, Plastiktüten. Was für Konsumenten annehmlich zu sein scheint, verursacht hohe gesellschaftliche und ökologische Kosten. Der Soziologe Michael Carolan zeigt auf, welche Mechanismen hinter der Billig-Ökonomie stecken und wer den wahren Preis für zu günstige Konsumgüter bezahlt. (...) [Er] durchleuchtet die Ökonomie, die hinter dem Billigkonsum steckt. Er kritisiert insbesondere, dass Unternehmen immer mehr Kosten externalisieren und somit letztlich sozialisieren – also der Gesellschaft aufbürden. Waren, so Carolan, könnten deshalb so günstig angeboten werden, weil den wahren Preis andere bezahlen. So zeigt dieses Buch die Schattenseiten der Konsumwelt auf: Rohstoffabbau in Konfliktgebieten, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, verschwenderischer Umgang mit Ressourcen, hoher CO2-Ausstoß, Müllberge und die Verfestigung sozialer Ungleichheit. Dem setzt Carolan ein Verständnis von Wohlstand entgegen, das sich nicht mehr allein an Wachstum, Konsum und Produktivität orientiert."
Von den vielen Rezensionen seien die beiden folgenden empfohlen, die zusammen einen guten Eindruck von dem äußerst lesenswerten Buch vermitteln:

8. November 2015

Gut leben statt Wachstum und Entwicklung

Mit der Diskussion um décroissance bzw. Postwachstumsgesellschaft haben wir uns in diesem Blog schon mehrfach befasst (z.B. hier, hier und hier). Nun hat die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) das neue Buch von Barbara Muraca ins Programm aufgenommen. Der schmale Band mit dem Titel "Gut leben. Eine Gesellschaft jenseits des Wachstums" bietet einen gelungenen Überblick über das Thema und kann hier bestellt werden. Die Beschreibung auf der bpb-Website liest sich folgendermaßen:
"Volkswirtschaften sind an Wettbewerb und Wachstum ausgerichtet. Zugleich mehren sich die Anzeichen, dass zentrale globale Probleme sich ökonomischen Lösungen entziehen: Das gilt für Forderungen nach einem gerechten Umgang mit Gütern ebenso wie für Fragen des Umweltschutzes, der Nachhaltigkeit oder der Partizipation. Welche Wege führen aus der Krise, welche Konzepte versprechen ein gutes Leben für möglichst alle Menschen? Wie weit können, müssen oder wollen wir in bestehende Strukturen eingreifen? Die Philosophin Barbara Muraca verweist auf die weltweite Postwachstumsbewegung und zeigt eine Vielzahl teils utopisch anmutender Stellschrauben der Veränderung auf. Sie lassen sich mit Regionalisierung, Demokratisierung, Entschleunigung, Vergemeinschaftung, mit Nachhaltigkeit und Rückbesinnung umreißen. Das Buch wirft Fragen auf und regt zum Nachdenken an."

3. Mai 2015

Wachstumsdebatte

Die Debatte um Wachstum, Fortschritt, Wohlstand und Nachhaltigkeit wurde hier im Blog immer wieder thematisiert. Vor kurzem hat Elisabeth von Thadden in der ZEIT vier aktuelle Buchbeiträge zu dieser Debatte in einem lesenswerten Beitrag vorgestellt: "Wachsen? Gedeihen!":
"Alle reden über Wachstum, diese drei sind schon weiter: Ein alter Bauer, ein junger Historiker und ein ehemaliger Minister suchen in ihren neuen Büchern nach Genügsamkeit, klugem Fortschritt und, alles in allem: Dem guten Leben."
Es handelt sich um die folgenden Bücher:
  • Wolfgang Schivelbusch, Das verzehrende Leben der Dinge. Versuch über die Konsumtion, Hanser Verlag, München 2015, 190 S., 19,90 €. 
  • Alberto Acosta, Buen vivir. Vom Recht auf ein gutes Leben, oekom verlag, München 2015, 208 S., 16,95 €.
  • Marcel Hänggi, Fortschrittsgeschichten. Für einen guten Umgang mit Technik, S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 2015, 303 S., 12,99 €.
  • Pierre Rabhi, Glückliche Genügsamkeit, Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2015, 176 S., 18,00 €.

2. April 2015

Kapitalismus und Klimawandel

Naomi Klein, eine der führenden Denkerinnen der (damals so genannten) Anti-Globalisierungs-Bewegung und Autorin des einflussreichen Buches "No Logo!", hat ein neues Buch veröffentlicht, das nun auch auf deutsch erschienen ist: "Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima".

Der englische Originaltitel "This Changes Everything" verweist noch deutlicher auf das zentrale Thema, nämlich die immer offener zutage tretende Unmöglichkeit, den Klimawandel im Rahmen der vorherrschenden Wirtschaftsweise (wachstumsorientierter Kapitalismus) zu bekämpfen oder auch nur zu begrenzen. In einer Rezension auf dem Blog der LSE (London School of Economics and Political Science) heißt es:
Naomi Klein in her new book This Changes Everything presents a new way of looking at two major problems: disaster capitalism and climate change. Klein’s argument is that, while the majority of people think climate change is a threat, “we have not done the things that are necessary to lower emissions because those things fundamentally conflict with deregulated capitalism” which is the “reigning ideology” of our time (p. 18). At the heart of the book Klein is supplying society with a challenge: are we on the right path, are we doing the right things for ourselves and for the future, and is this the best we can be? Arguably her core message is one of social and environmental justice: “the solution to global warming is not to fix the world, but to fix ourselves” (p. 279).
     

28. Juli 2014

APuZ: Nachhaltigkeit

Die heute erschienene Ausgabe 31-32/2014 der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" (herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung) befasst sich mit dem Thema "Nachhaltigkeit". Die Zeitschrift ist im Volltext online:
"Ins Blickfeld der internationalen Gemeinschaft ist nachhaltige Entwicklung, sustainable development, verstärkt seit den 1970er Jahren gerückt; wichtige Marksteine auf diesem Weg waren der Bericht der Brundtland-Kommission "Unsere gemeinsame Zukunft" 1987 sowie die UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro. Während sich Nachhaltigkeit als politischer Grundwert also etabliert zu haben scheint, droht der inflationäre Gebrauch des Begriffs seinen Gehalt zu verwässern."
Die enthaltenen Aufsätze im einzelnen:
  • Michael Bauchmüller: Schönen Gruß aus der Zukunft - Nachhaltigkeit soll eigentlich ein Kompass sein für eine Welt, die mit knappen Ressourcen sorgsam haushält. Längst ist der Begriff gekapert. Doch das ändert nichts an seiner Kraft.
  • Axel Bojanowski: Verwirrende Werbefloskel - Der Begriff "Nachhaltigkeit" verschleiert die komplexen Zusammenhänge in der Natur und die zwischen Umwelt und Gesellschaft. Er liefert keine Antwort, sondern wirft Fragen auf.
  • Frank Uekötter: Ein Haus auf schwankendem Boden: Überlegungen zur Begriffsgeschichte der Nachhaltigkeit - Aus einem Spezialbegriff der Forstwirtschaft ist eine globale Leitvokabel geworden. Die Begriffsgeschichte eröffnet Perspektiven, ein Wort, das längst eine Aura der Beliebigkeit besitzt, neu zu entdecken.
  • Iris Pufé: Was ist Nachhaltigkeit? Dimensionen und Chancen - Nachhaltigkeit hat heute den Charakter eines normativen Leitbildes, das zugleich als Handlungsappell verstanden werden kann – und durchaus unternehmerische Chancen bietet. Ein einheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit fehlt jedoch.
  • Friedrun Erben / Gerhard de Haan: Nachhaltigkeit und politische Bildung - 2014 endet die von den Vereinten Nationen ausgerufene Weltdekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE). Als Querschnittsaufgaben verstanden, sind BNE und politische Bildung in hohem Grade kompatibel.
  • Simone Kaiser /Michael Rehberg /Martina Schraudner: Shaping Future: Nachhaltige Technologiegestaltung durch Partizipation - In einer frühen, ergebnis- und technologieoffenen Beteiligung von Nicht-Expert(inn)en liegen enorme Nachhaltigkeitspotenziale: Es können neue inhaltliche Impulse für die Technologieentwicklung entstehen, zudem werden Legitimitätsdefizite vermieden.
  • Frank Kürschner-Pelkmann: Nachhaltige Wassernutzung - Wasser ist eine unverzichtbare Lebensgrundlage. Trotzdem kommt es vielerorts zu Schadstoffeinleitungen und Verschwendung. Dabei gibt es überzeugende Konzepte und Beispiele für einen nachhaltigen Umgang mit dem Wasser.
  • Hans von Storch: Klimaservice: Nachhaltig "vorhersagen"? - Für viele bedeutet "Klimaservice" die Bereitstellung von Vorhersagen ähnlich der Wettervorhersage. Aber es gibt gravierende Unterschiede. Die Aufgabe, Klimawissen bedarfsgerecht zu vermitteln, ist bislang kaum verstanden worden.

11. Januar 2014

Schlussbericht der Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität"


Die Problematik der Fixierung auf (quantitatives) Wachstum wurde an dieser Stelle immer wieder thematisiert. Nun liegt ein neuer, sehr wichtiger Debattenbeitrag vor, nämlich der Schlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität". Er kann über die Website der Bundeszentrale für politische Bildung als pdf heruntergeladen werden. Auf dieser Website findet sich folgende Beschreibung:
Die Kommission hatte den Auftrag, den Stellenwert von Wachstum in Wirtschaft und Gesellschaft zu ermitteln, einen ganzheitlichen Wohlstands- und Fortschrittsindikator zu entwickeln und die Möglichkeiten und Grenzen der Entkopplung von Wachstum, Ressourcenverbrauch und technischem Fortschritt auszuloten. Unter anderem schlägt die Kommission einen neuen Begriff von Wohlstand und eine neue Wohlstandsmessung vor, die neben dem materiellen Wohlstand auch soziale und ökologische Dimensionen von Wohlstand abbildet.
Weitere Informationen rund um die Arbeit der Kommission finden sich hier...

14. August 2013

Debatte um Wachstum, Wohlstand, Nachhaltigkeit

Marianne Birkholz, Wikimedia Commons
Es ist unübersehbar: Die Debatte hat sich ihrem Kern genähert, der auch an dieser Stelle immer wieder thematisiert wurde, nämlich dem Verhältnis von Wachstum, Wohlstand und Nachhaltigkeit. Lassen sich diese Ziele miteinander vereinbaren oder widersprechen sie sich? Kann Nachhaltigkeit nur erreicht werden, wenn auf Wachstum und Wohlstand verzichtet wird oder ist "green growth" möglich?

Wie umstritten diese Fragen sind, haben die Beratungen der Enquete-Kommission des Bundestags "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" gezeigt, die es nicht geschafft hat, zur Rolle des Wachstums einen gemeinsamen Bericht vorzulegen. Die Website der Kommission stellt trotzdem für alle an der Debatte Interessierten eine wahre Fundgrube dar. Ob sich das von der Kommission vorgeschlagene neue Konzept für Wohlstandsmessung ("W3-Wohlstandsindikatoren") durchsetzen und das BIP ersetzen kann, bleibt abzuwarten.

Die Kernfragen der Debatte liegen an der Schnittstelle verschiedener Disziplinen, weswegen es nicht überraschen kann, dass sich agora42 als "philosophisches Wirtschaftsmagazin" der Thematik annimmt. Die aktuelle Ausgabe 02/2013 widmet sich dem Thema "Wohlstand", frühere Ausgaben sind ebenfalls einschlägig (01/2012: Nachhaltigkeit, 04/2011: Fortschritt, 01/2010: Wachstum).

Auch die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) deren Angebot an dieser Stelle wiederholt empfohlen wurde, legt regelmäßig einschlägige Titel auf, zuletzt den von Harald Welzer und Stephan Rammler herausgegebenen Band "Der FUTURZWEI-Zukunftsalmanach 2013. Geschichten vom guten Umgang mit der Welt":
"Wachstum lautet vielfach das Mantra unserer Lebensweise – oft ohne Rücksicht auf Zukunftsfähigkeit. Rufe nach einer Kurskorrektur werden als unrealistisch oder schädlich abgetan. Das Buch zeigt, dass es im Sinne einer lebenswerten Zukunft aber tatsächlich anders geht, auch innerhalb bestehender Strukturen" (bpb-Website - hier kann das Buch für 4,50 EUR bestellt werden).
Weitere Bücher aus dem Angebot der BpB sind unter anderem:
Interessante Debattenbeiträge erscheinen auch regelmäßig im WiWo Green-Blog, zuletzt beispielsweise:
Auch die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Internationale Politik" nimmt sich aus der politikwissenschaftlichen Perspektive des Themas an. Das Schwerpunktthema der Ausgabe Juli/August 2013 lautet "Wachsen, aber wie?".

Abschließend sei noch auf zwei lesenswerte Neuerscheinungen hingewiesen:

  

12. Dezember 2012

Irrtümer der Klimaskeptiker

Ein äußerst lesenwerter Beitrag im (hier bereits vorgestellten und empfohlenen) WiWo Green Blog benennt die am häufigsten angeführten "Argumente" der "Klima(wandel)skeptiker" und diskutiert sie. Beispiele:
  • Die Sonne ist an allem Schuld
  • Klimamodelle sind Quatsch
  • Was sich erwärmt, kühlt auch wieder ab
Ein Argument stimme aber, so der Autor Benjamin Reuter:
"Dass nicht alles, was Wissenschaftler sagen und vor allem vorhersagen, auch mit 100 Prozent Wahrscheinlichkeit so eintritt. Wissenschaft ist fehlbar – das würde kein Klimaforscher bestreiten. Und Unsicherheiten bleiben in allen Feldern der Klimaforschung. Verschwiegen werden sie keineswegs. Über sie berichtet selbst der Weltklimarat in seinen Reports – die Medien dagegen selten. Auch die Forschung streitet sich darüber, zum Beispiel hier. Aber wie sollten Politiker mit dieser Unsicherheit umgehen? Stellen wir uns vor, der Pilot eines Flugzeuges stellt fest, dass seine Maschine mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent abstürzen wird. Die Passagiere haben die Wahl: Weiterfliegen oder notlanden? Die Entscheidung dürfte nicht schwer fallen."
Genau dieser Sachverhalt, dass Studien, Modelle und Prognosen immer bis zu einem gewissen Grad mit Unsicherheit behaftet sind, steht auch im Zentrum der Kritik an den Skeptikern in dem hervorragenden Buch von Thomas L. Friedman zum Klimawandel: "Hot, Flat & Crowded. Why the World Needs a Green Revolution - and How We Can Renew Our Global Future" (deutsche Übersetzung: "Was zu tun ist. Eine Agenda für das 21. Jahrhundert"). Besonders im Kapitel "Global Weirding" stellt er dar, wie Studien immer wieder gezielt Zweifel am Befund "Klimawandel" säten und damit den für ein entschlossenes Handeln notwendigen Konsens unterminierten. Aber, so Friedman:
"The fact that we don't know everything doesn't mean that we don't know anything."
 

6. Dezember 2012

Neues Buch zu Klimawandel und Energiewende

In der Schriftenreihe der bpb (Bundeszentrale für politische Bildung) ist soeben ein interessantes Buch erschienen, das die hervorragenden Informationen zu Themen rund um Nachhaltigkeit ergänzt, die von der bpb bereitgestellt werden und auf die wir schon mehrfach verwiesen haben (z.B. hier):

Sven Plöger (2012), Gute Aussichten für morgen. Wie wir den Klimawandel bewältigen und die Energiewende schaffen können, Schriftenreihe (Bd. 1296).

Die Kurzbeschreibung auf der bpb-Website, wo man das Buch auch für 4,50 EUR bestellen kann, liest sich so:
Donnerwetter: Auf anschauliche Weise schafft Sven Plöger in diesem Buch Verständnis für die Zusammenhänge im Klima- und Wettergeschehen. Er beleuchtet die Rolle der Interessengruppen in Forschung und Öffentlichkeit und zeigt, was Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und wir alle konkret für ein erträgliches Klima tun können.

4. Dezember 2012

Nachhaltig Geld anlegen

Wer seine Ersparnisse nicht nur rentabel, sondern auch sinnvoll anlegen möchte, steht vor dem Problem, dass nachhaltige Geldanlagen gar nicht so einfach zu finden sind. Abhilfe kann hier ein neues Buch von Werner Schwanfelder schaffen: "Wie Sie Profit machen und nebenbei die Welt verbessern. Gewinnbringend und nachhaltig investieren". Auszüge veröffentlicht der an dieser Stelle bereits vorgestellte WiWo Green Blog im Wochenrhythmus. Wer das Buch kaufen möchte:

18. November 2012

Bewährter Ratgeber: Fair einkaufen

Die meisten Verbraucher kaufen lieber "faire" Produkte, die Mensch und Natur nicht schaden und niemanden ausbeuten. Oft aber besteht das Problem darin, an die entsprechenden Informationen zu kommen. FairTrade Deutschland weist zurecht auf die Unübersichtlichkeit der Lage hin:
Der Boom vom Fairen Handel sorgt für Ratlosigkeit bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Denn der Begriff „Fairer Handel“ oder „fair gehandelt“ ist nicht geschützt und kann auch ohne ein Siegel auf dem Produkt verwendet werdet. So wird der Markt für nachhaltige, ökologische oder sozial angebaute Produkte immer unübersichtlicher. Angesichts der mittlerweile 50 bestehenden Marken und Siegel (Tendenz steigend) für „faire“ Produkte, fühlt sich der Verbraucher und die Verbraucherin im Stich gelassen und steht ratlos vor den Regalen: “Wo liegen die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Siegeln? Und welches Produkt muss ich kaufen, um tatsächlich die Produzenten in den jeweiligen Herkunftsländern zu unterstützen?"
Schneisen in dieses Dickicht schlägt das bewährte, mittlerweile in vierter Auflage erschienene Buch von Martina Hahn und Frank Herrmann: "Fair einkaufen - aber wie? Der Ratgeber für Fairen Handel, für Mode, Geld, Reisen und Genuss" (Brandes & Apsel 2012). Die Buchbeschreibung auf der Verlagswebsite lautet:
Immer mehr Verbraucher möchten wissen, wo sie fair gehandelte Lebensmittel erhalten: In welchem Laden hängen T-Shirts, die nicht von Kindern zusammengenäht worden sind? Wo kann eine Reise gebucht werden, bei der auch das Zimmermädchen einen gerechten Lohn erhält und welcher Investmentfonds ist wirklich nachhaltig angelegt? Mithilfe dieses Ratgebers kann jede und jeder fair konsumieren – vom Szene-Kenner über den Fairtrade-Einsteiger bis hin zum Bio-Käufer. Hier findet sich alles, um sich zurechtzufinden: ausführliche Hintergrundinfos, jede Menge Adressen, Weblinks, Literaturempfehlungen und Einkaufstipps.
Wer sich näher mit Fair Trade befassen möchte, dem sei zusätzlich das Buch von Michael von Hauff und Katja Claus empfohlen: "Fair Trade. Ein Konzept nachhaltigen Handels" (UTB Stuttgart 2012).

   

3. November 2012

Grüne Gründer - neue Studie

Ein Projekt des Borderstep Instituts (Institut für Innovation und Nachhaltigkeit) befasste sich mit der Situation von Start-ups im Bereich Nachhaltigkeit ("grüne Gründer"). Die Abschlusskonferenz des Forschungsvorhabens "Diffusionspfade für Nachhaltigkeitsinnovationen (D-Pfade)" fand am 18. Oktober 2012 in Berlin statt: "Erfolg und Scheitern 'grüner' Innovationen: Konsequenzen für die Energiewende". Auf der Website des Instituts finden sich die Tagungsunterlagen und die Präsentationen dieser Konferenz:

Präsentationen
  • Prof. Dr. Klaus Fichter, Dr. Jens Clausen, Borderstep Institut: Vorstellung des Forschungsvorhabens und theoretische Grundlagen
  • Dr. Jens Clausen, Borderstep Institut: Energiewende: Diffusionsstrategien für Wärmenetze
  • Dr. Ralph Hintemann, Borderstep Institut: Schlüsseltechnologie Green IT: Energieeffiziente Lösungen für Arbeitsplätze von morgen
  • Prof. Dr. Klaus Fichter, Borderstep Institut: Schlüsselakteure der Energiewende: Die zentrale Rolle von Startups und "Gründer-Pionieren"
  • Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Wuppertal Institut: „Grüne“ Innovationen: Wer sorgt dafür, dass sie zu einem breiten Erfolg werden?
Tagungsunterlagen
  • Diffusionspfade für Nachhaltigkeitsinnovationen: Das Forschungsvorhaben und seine Ergebnisse
  • Nachhaltige Wärmeversorgung: Schlüsselinnovationen für das "Stiefkind" der Energiewende
  • Green IT: Revolution im Büro
  • Start-ups: Produktpioniere für eine Green Economy
Außerdem kann man die komplette Studie von Klaus Fichter und Jens Clausen bestellen.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse bietet der Rat für Nachhaltige Entwicklung auf seiner Website...

21. Oktober 2012

Interview mit Dr. Günther Bachmann

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) hat auf seiner Website unter dem Titel "Ich plädiere für mehr Verwunderung" ein überaus lesenswertes Interview mit dem RNE-Generalsekretär Günther Bachmann veröffentlicht, in dem viele der hier schon mehrfach angesprochenen Kernpunkte der Debatte um Nachhaltigkeit ihren Niederschlag finden, so beispielsweise die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie oder die Probleme mit "green economy". Ein Auszug:
Frage: "Das so genannte Drei-Säulen-Modell definiert, dass Nachhaltigkeit nur aus dem Zusammenspiel aus Umwelt, sozialen und ökonomischen Zielen zu erreichen ist. Welche Bedeutung hat das Modell heute noch?"
Bachmann: "Es hilft, die mitunter fast schon ritualisierten Lagerkämpfe 'Wirtschaft versus Umwelt' abzubauen. Es macht definitiv Schluss mit der irreführenden Formel „Die-Schornsteine-müssen-rauchen-dann-erst-kommt-die-Umwelt“ und ihrer aktuellen Variante „Umwelt muss jetzt mal eine Pause einlegen, wir brauchen Wachstum“."
Dieses Interview ist Teil eines Buches mit dem Titel "Gesichter der Nachhaltigkeit", das von Alexandra Hildebrandt und Hauke Schwiezer in Kürze herausgegeben wird.

Außerdem ist vor kurzem in der UTB-Reihe (Universitäts-Taschenbücher) ein einschlägiger Titel erschienen: Iris Pufé: Nachhaltigeit.

4. Oktober 2012

"Wohlstand ohne Wachstum" von Tim Jackson

Häufiger schon habe ich an dieser Stelle auf Veröffentlichungen der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zum Thema Nachhaltigkeit aufmerksam gemacht (z.B. hier und hier). Nun ist in der Schriftenreihe der bpb wieder ein einschlägiger, überaus lesenswerter Titel erschienen, der für 4,50 EUR auf dieser Seite bestellt werden kann. Die Beschreibung von Tim Jacksons Buch "Wohlstand ohne Wachstum - Leben und Wirtschaften in einer endlichen Welt" auf der bpb-Website liest sich so:
"Wachstum ist nicht alles, aber ohne Wachstum ist alles nichts – ist dieses Ökonomen-Mantra noch zukunftsfähig? Und wenn ja, ist es auch vertretbar angesichts weltweiter ökologischer Schäden und wohlfahrtsgefährdender ökonomischer Krisen? Nein, sagt Tim Jackson, aber er predigt nicht die ökonomische Abstinenz oder die Rückkehr zum Jagen und Sammeln. Jacksons Ansatz geht über strukturelle Korrekturen der ökonomischen Systeme und ökologische Schönheitsreparaturen hinaus und zielt letztlich auf eine veränderte Definition von Lebenszufriedenheit und Wohlstand. Jackson regt mehr Investitionen in öffentliche Güter an sowie die stärkere Betonung sozialer und ökologischer Verantwortung in den Unternehmensstrukturen. Rechte und Pflichten der ökonomisch Handelnden sollen enger verschränkt werden. Das Buch macht deutlich, dass dem Wohlstand ohne Wachstum hohe Hürden gegenüberstehen. Es gehe aber darum, an den Wandel zu glauben und sich für ihn einzusetzen, sagt Jackson."

24. August 2012

Nachhaltigkeit als subversives Konzept

Ulrich Grober zählt seit vielen Jahren zu den führenden Vordenkern, was Implikationen und Umsetzung des Konzepts Nachhaltigkeit betrifft. Zu den wichtigsten deutschsprachigen Büchern zum Thema Nachhaltigkeit gehört seine 2010 erschienene Monographie "Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffs". Das folgende Video bringt einige Kerngedanken zur Sprache: